Würde man hier mit verbundenen Augen ausgesetzt, man wähnte sich auf dem Land: Der Acker von Pura Verdura mitten im Zürcher Kreis 8 ist ein Idyll. Auf rund einer Hektare Fläche baut die solidarische Landwirtschaftsgenossenschaft hier oberhalb des botanischen Gartens und direkt neben dem Quartierhof Wynegg Gemüse an.
Der Ertrag wird wöchentlich an die Mitglieder verteilt. Jeden Donnerstag stehen für die 160 Mitglieder-Haushalte an sieben über das Stadtgebiet verteilten Depot-Stellen pralle Taschen voller frischer, saisonaler Gemüsesorten bereit.
Der Clou: Die Mitglieder der Genossenschaft zahlen im Voraus einen Jahresbeitrag für die Betriebskosten. Im Gegenzug erhalten sie einen Anteil an allen produzierten Produkten. Und wer auf dem Acker mitanpackt, zahlt weniger für sein Gemüseabo. Die Genossenschaft fusst also auf dem finanziellen und körperlichen Engagement ihrer Mitglieder, sowie auf dem Einsatz einer kleinen Betriebsgruppe mitsamt drei festangestellten Gärtnerinnen und Gärtnern – wie Noe Schlatter.
Noe, was ist Pura Verdura genau?
Noe Schlatter: Eine Genossenschaft, die seit 2019 auf zwei Äckern im Kreis 8 mit ihren Mitgliedern frisches Gemüse produziert.
Woher kam die Idee mit den aktiven Abos?
Da gab es schon Vorbilder – etwa Ortoloco in Dietikon. Der Solidaritätsgedanke steht natürlich im Vordergrund, aber ohne die Mithilfe der Mitglieder wäre die viele Arbeit auch nicht zu bewältigen.
Um seine Abokosten zu senken, kann man bei euch auf dem Feld arbeiten. Was passiert, wenn einem beim Pflanzen der Setzlinge die Knie schmerzen?
Das ist kein Problem. Man kann sich aussuchen, wo man arbeiten will: auf dem Feld, im Gewächshaus, beim Abpacken oder Ausfahren der Gemüsetaschen, als Helferin oder Helfer beim Seefeld- oder Ackerfest. Dafür haben wir eine digitale Plattform, auf der man seine Einsatzzeiten ganz einfach auswählen kann.
Was baut ihr hier alles an?
Allein im vergangenen Sommer waren es 35 verschiedene Sorten. Wir machen für jedes Jahr eine klar strukturierte Anbauplanung.
Wer bestimmt, was aufs Feld kommt?
Wir machen einmal pro Jahr eine Umfrage bei unseren Mitgliedern, um zu erfahren, wie wir ihre Bedürfnisse und Wünsche noch besser berücksichtigen können.
Und, wonach lechzen die Mitglieder?
Die Favoriten sind wie in der ganzen Schweiz Rüebli, Tomaten, Gurken, Zucchetti. Davon probieren wir natürlich viel anzubauen. Daneben kultivieren wir aber eben auch Krautstiel, Lauch, verschiedene Kohlsorten, Kefen, Bohnen, Edamame, Fenchel oder Zuckermais.
Die Felder hier sehen sehr divers aus. Habt ihr auch Gemüsesorten, die man nicht in der Migros oder im Coop kaufen kann?
Es geht unsererseits nicht darum, besonders seltene Gemüsesorten anzupflanzen. Wir wollen einfach dafür sorgen, dass unsere Mitglieder das ganze Jahr zu schmackhaftem, saisonalem Essen kommen. Aber wir experimentieren auch gerne: Aktuell haben wir etwa Yacón angepflanzt.
Yacón?
Ja, das ist ein Knollengewächs, das von der Form ein bisschen aussieht wie eine Süsskartoffel. Die Knolle ist ganz weiss, knackig und saftig und hat in etwa die Konsistenz einer Gurke. Man kann sie auch roh essen.
Damit wäre ich überfordert. Gibt es eine Rezept-Hotline?
(lacht) Nein, aber dafür sind die Feldeinsätze ideal. Da wird sehr viel übers Essen gesprochen. Man tauscht sich über Tipps und Tricks in der Küche und neue Rezepte aus. Ansonsten findet man dazu auch eine Rubrik auf unserer Homepage.
Das Gemüseabo als Inspiration zu kreativerem Kochen?
Ich glaube schon. Man muss sich mit dem Gemüse auseinandersetzen. Dafür steht man nie mehr im Laden und fragt sich, ob dieses oder jenes Gemüse jetzt Saison hat.
Wie wichtig ist Nachhaltigkeit?
Sie ist ein Grundprinzip, würde ich sagen. Die Saisonalität ist natürlich gegeben. Ausserdem verwenden wir keinerlei Kunstdünger und sind biozertifiziert. Zudem bepflanzen wir die Felder hier nach Rotationsprinzip, damit der Boden nicht leidet und ertragreich bleibt. Nachdem wir hier im Oktober den Rot- und Weisskohl geerntet haben, setzen wir Hülsenfrüchte als Gründüngung ein und sorgen uns um die Biodiversität auf dem gesamten Areal.
Weitere Informationen unter puraverdura.ch.
