Was ist Secend?
Angeline Suppiger: Mit Secend retten wir Lebensmittel und Kosmetika vor dem Abfall. Wir kaufen noch gut haltbare Produkte von Grosshändlern und Produzenten und bieten sie auf unserem Onlineshop mit Rabatt an.
Warum kommen sie nicht in den normalen Handel?
Aus den verschiedensten Gründen: Überproduktion, Fehldrucke oder falsche Verpackungen, Saisonalität, kurzes oder teils überschrittenes Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Je nach Produkt brauchen sie mindestens vier bis zwölf Monate Laufzeit zum MHD. Wir wollen in unserem Shop das Retten von Lebensmitteln einfach machen.
Am 1. November 2021 berichtete 20 Minuten bereits einmal über euer Start-up. Seither ist viel passiert. Könnt ihr es kurz zusammenfassen?
Wir sind mittlerweile gut gewachsen und in ein fast zwanzigmal grösseres Lager gezogen. Zu Beginn haben wir alle Pakete selbst gepackt, mittlerweile arbeiten wir mit einer Logistikfirma zusammen, die täglich durchschnittlich 200 Päckli verschickt. Und wir haben über 25’000 zufriedene Kundinnen und Kunden, die regelmässig bei uns Lebensmittel retten.
Ich habe gelesen, dass euch ein Laden in Berlin inspiriert hat. Aber wie ging es dann weiter? Woher kam die Ware?
Genau, ein Rettermarkt in Berlin war der Anstoss für Secend. Nachdem Laurin Krausz und ich die Idee im Kopf hatten, haben wir uns an die Arbeit gemacht, Abklärungen getroffen und potenzielle Lieferanten angeschrieben. Wir gingen in die Läden, haben Produkte angeschaut und auf den Verpackungen nach den Produzenten gesucht und diese dann kontaktiert. Wir haben bestimmt über 400 Mails verschickt.
Und woher kommt die Ware heute, da ihr 70’000 Bestellungen pro Jahr bewältigen «müsst»?
Mittlerweile sind wir in der glücklichen Lage, dass viele Lieferanten direkt auf uns zukommen. Wir arbeiten mit vielen Grosshändlern und Produzenten, die uns regelmässig Listen mit ihrer MHD-Ware senden. Abnehmen können wir nun oft gleich einige Paletten oder die gesamte angebotene Menge. Wir beziehen die meisten unserer Produkte von Grosshändlern, die auch Detailhändler wie Migros und Coop beliefern. Damit der Detailhandel diese Produkte abnimmt, müssen sie meist noch eine Laufzeit von sechs Monaten bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum haben. Falls dies nicht gewährt werden kann, ist das Risiko zu gross und die Grosshändler bleiben auf den Produkten sitzen – und dies, obwohl sie das MHD noch längst nicht erreicht haben. Da kommt dann Secend ins Spiel.

