97 Prozent des Altglases werden hierzulande recycelt. Was diese Zahl angeht, ist die Schweiz Recycling-Weltmeister. Eine gute und vorbildliche Sache, zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten wird klar: Das Recyceln von Glas hat leider keine besonders gute Ökobilanz. Eine Tatsache, die Catherine Cruchon-Griggs bei der Berechnung des Fussabdrucks ihres Weinguts «Domaine Henri Cruchon» direkt ins Auge stach. Erst kürzlich hat sie den Familienbetrieb in dritter Generation übernommen, gemeinsam mit zwei ihrer Cousinen und ihrer Partnerin.
Catherine Cruchon-Griggs, warum haben Sie sich überhaupt dafür entschieden, den ökologischen Fussabdruck der «Domaine Henri Cruchon» zu berechnen?
Unser Weingut ist bereits seit unserer Vätergeneration bio- und Demeter-zertifiziert. Ein nachhaltiger Weinanbau liegt uns sehr am Herzen. Wir wollten sehen, wo wir uns verbessern können, und mussten erkennen, dass die Weinflaschen einen grossen Teil unserer Emissionen ausmachen. Nämlich 30 bis 40 Prozent.
Das ist tatsächlich ein hoher Anteil.
Wir haben beschlossen, nach Alternativen zu suchen. Und die beste Option ist, auf die Mehrwegflasche zurückzugreifen. Wenn wir die Flaschen waschen und wiederverwenden, statt sie zu zerstören und zu recyceln, könnten wir 85 Prozent der Flaschen-Emissionen einsparen, weil Waschen viel weniger Energie verbraucht.
Das Mehrwegflaschensystem gab es doch früher schon.
Es ist tatsächlich so, dass auch Weinflaschen früher mehrfach gebraucht wurden. Manche Dinge waren früher tatsächlich besser – zumindest, was die CO2-Bilanz angeht. Es existieren bereits 1-Liter- und 0,5-Liter-Mehrweg-Weinflaschen, aber wir wollen die klassische 0,75-Liter-Flasche mehrwegfähig machen.
Aber ist das überhaupt praktikabel?
Das versuchen wir jetzt herauszufinden. Gemeinsam mit sieben weiteren Weingütern aus Waadt haben wir «Bottle Back» ins Leben gerufen. Wir stecken gerade in der zweijährigen Pilotphase, um zu sehen, wie wir Mehrweg-Weinflaschen in der Schweiz einführen können. Aber wir sind zuversichtlich: Die Schweiz eignet sich sehr gut für eine Initiative wie diese.
