Noëmi Grütter, kürzlich nahmen Sie in Dubai an der UN-Klimakonferenz (COP28) teil. Mit welchem Gefühl denken Sie daran zurück?
Es sind ambivalente Gefühle. Dubai als Veranstaltungsort, mit seinen Autobahnen und Einkaufszentren mitten in der Wüste, fühlte sich an wie eine Dystopie. Die ganze Macht, die sich dort auf kleinem Raum versammelte, war eindrücklich. Vor allem in schwierigen Momenten. Ich habe miterlebt, wie grosse Staaten Entscheidungen trafen, die Vertreterinnen und Vertreter kleiner Inselstaaten zum Weinen brachten, weil sie den Untergang ihres Lebensraums bedeuten. Das ist nur schwer verständlich und hart mitanzusehen.
Gab es auch gute Momente?
All die Gleichgesinnten und Aktivistinnen und Aktivisten, auf die man an solchen Konferenzen trifft, das ist die schöne Seite. Aber auch das ist schwierig: Wenn man sieht, wie den Menschen aus dem Globalen Süden, den Indigenen zum Beispiel, nicht zugehört wird. Diese Menschen sind extrem stark von der Klimakrise betroffen, während sie selber seit jeher im Einklang mit der Natur leben und eigentlich die Lösungen für den Klimaschutz tragen.
Kommt da nicht Hoffnungslosigkeit auf?
Doch. Aber nicht nur. Es gibt auch Hoffnung, zu sehen, wie viele Menschen auf der ganzen Welt am Kämpfen sind. Viele von ihnen riskieren ihr Leben mit jedem Wort, das sie an einer solchen Konferenz sagen, weil sie in ihren Heimatstaaten oft verfolgt und zum Schweigen gebracht werden.
Sie selbst waren in Ihrer Funktion als Koordinatorin bei der Global Alliance for Green and Gender Action vor Ort. Sie befassen sich also mit der Schnittstelle zwischen Gender und Klima. Was haben die beiden Themen miteinander zu tun?
Alle sind von der Klimakrise betroffen. Aber Frauen, inter, nicht-binäre und trans Menschen ganz besonders. Und jene im Globalen Süden umso stärker. Oft haben sie fusionelle Beziehungen zu Natur und Umgebung, pflanzen Essen an, holen das Wasser. Wenn sich ihr Lebensraum durch Naturkatastrophen oder Wasserknappheit verändert oder wenn sie durch Grossindustrien und Rohstoffindustrien gezwungen werden, ihre Häuser und ihre Gemeinschaften zu verlassen, hat das schwerwiegende Folgen für ihr Leben. Es macht sie ärmer und oft abhängiger von ihren Männern, was dann der Nährboden für häusliche Gewalt sein kann. Das ist der Teufelskreis, der passiert. Frauen müssen deshalb in umweltpolitischen Entscheidungsprozessen mitsprechen und ihre Perspektive einbringen können.
