Die Flugbranche zerbricht sich schon lange den Kopf darüber, wie Fliegen umweltfreundlicher werden könnte. Der Anteil des Fliegens an den weltweiten CO₂-Emissionen ist mit 3,5 Prozent zwar vergleichsweise klein, trotzdem werden durch den Flugverkehr jährlich über eine Milliarde Tonnen Kohlendioxid in die Luft geblasen.
Hier hebt die Hoffnung auf CO₂-neutrale Flüge ab
In Kalifornien hat ein Flugzeug zu einem historischen Flug angesetzt: Erstmals hob eine Passagiermaschine mit Wasserstoff-Antrieb ab. Schon 2025 sollen erste Regionalflüge damit durchgeführt werden.
Da batteriebetriebene E-Flugzeuge im Passagierverkehr wegen der zu schweren Batterien keine Lösung sind, setzt die Flugindustrie ihre Hoffnungen in Synfuels. Synfuels werden unter hohem Energieaufwand aus Wasserstoff und CO₂ hergestellt, der beispielsweise aus der Luft gefiltert wird.
Der Vorteil: Synfuels können in einem Flugzeug ohne Umbau des Antriebs verwendet werden. Der Nachteil: Bei der Herstellung geht ein grosser Teil der Energie verloren und CO₂ wird trotzdem aus dem Triebwerk geblasen.
Historische Premiere
In Kalifornien hat nun eine neue Hoffnung zum Flug angesetzt– buchstäblich: Am 2. März hob erstmals ein Passagierflugzeug ab, das mit Wasserstoff flog. Die Turboprop-Maschine des Typs ATR-72 mit 40 Plätzen setzte zu einem 15-minütigen Flug an und erreichte eine Höhe von 1000 Metern. Eine historische Premiere.
Für den Test wurde eines der beiden Triebwerke durch einen Brennstoffzellenantrieb ersetzt. Aus Sicherheitsgründen blieb unter dem anderen Flügel das herkömmliche Triebwerk verbaut. Nach einer Testrunde mit beiden Triebwerken wurde der fossile Antrieb abgeschaltet – die Maschine flog nur noch mit Wasserstoff.
Da die Brennstoffzellen den Elektromotor direkt antreiben, komme der Antriebsstrang ohne Batterie aus, lässt das US-Unternehmen Universal Hydrogen verlauten, das hinter dem Projekt steckt. Dies spare Gewicht und Kosten. «Der Lärm und die Vibrationen waren signifikant kleiner als beim konventionellen Antrieb», sagte zudem der Pilot nach dem Flug.
Weltweite Vorbestellungen
Es handelt sich um den ersten Testflug einer zweijährigen Testreihe. 2025 will das US-Flugunternehmen Connect erste kommerzielle Wasserstoffflüge auf regionalen Strecken mit einer ATR-72 durchführen.
«Wir lösen das Huhn-Ei-Problem», sagt Paul Emerenko, CEO von Universal Hydrogen. So würden Flugzeuge mit einem günstigen Retrofit-Konversionskit umgebaut, was den Bau neuer Flugzeuge unnötig macht. Vorbestellungen für 247 Flugzeuge von weltweit 16 Unternehmen lägen vor.
Zudem soll die Tankinfrastruktur an den Flughäfen aufgebaut werden. Dafür will Universal Hydrogen modulare Kapseln einsetzen – womit weltweit jeder Flughafen mit wenig Aufwand wasserstofftauglich werde.
Das Interesse der Industrie ist gross: Das Projekt wird unter anderem von American Airlines, GE Aviation und Airbus Ventures sowie Herstellern von grünem Wasserstoff unterstützt. Das Ziel müsse es sein, auch grössere Flugzeuge umzurüsten, sagte Ermenko. «Die grössten CO₂-Emissionen kommen von den Flugzeugtypen Airbus A320 und Boeing 737.»
Wirklich klimaneutral werden die Flugzeuge aber nur fliegen, wenn der Wasserstoff ausschliesslich mit erneuerbarem Strom hergestellt wird. Sonst droht dieser Hoffnung eine Bruchlandung.