Als Natalie Bino damals den Fernseher einschaltete, ahnte sie nicht, dass das ihr Leben verändern würde. Im Jahr 2014 porträtierte das Schweizer Fernsehen die Zero-Waste-Aktivistin Bea Johnson – und seither versucht Bino in der Schweiz umzusetzen, was Johnson in den USA vorlebt: möglichst wenig Müll zu verursachen.
«Zero Waste ist eine Vision», sagt die heute 56-jährige Gründerin von ZeroWaste Switzerland. «Es ist eine Lebensweise, die den Abfall an der Quelle vermeiden und Ressourcen verantwortungsvoll nutzen will.» Zwischen dieser Vision und der Realität klafft jedoch eine tiefe Lücke, insbesondere in der Schweiz. Kaum ein anderes Land der Welt verursacht so viel Abfall pro Kopf. 730 Kilogramm waren es gemäss Bundesamt für Umwelt im Jahr 2014.
Mit dem Tupperware zum Käser
Natalie Bino und ihren Ehemann sollte das nicht davon abhalten, es zumindest zu versuchen. Beim nächsten Besuch in der Dorfkäserei brachten sie ihr eigenes Tupperware mit. Auch der Metzger, der Bauer und die Markthändler fanden Gefallen an der verpackungsfreien Lebensweise der Binos. Doch der Familie genügte das nicht.
«Wenn Elon Musk einmal zum Mars fliegt, kann ich noch so viele Joghurtbecher vermeiden», sagt Natalie Bino heute. Was man als Individuum tut, mag sich zwar gut anfühlen. Der Einfluss ist aber begrenzt.
Die Facebook-Gruppe, die Bino wenig später gründete, erreichte rasch das Limit von 10’000 Mitgliedern. Das Thema boomte: Die App Too Good to Go verbreitete sich, und die ersten Äss-Bar-Läden für Lebensmittel von gestern wurden eröffnet. Als zwei Mitglieder ihrer Facebook-Gruppe auf Bino zukamen, organisierten sie sich 2018 gemeinsam als Verein.
Schweizweit wurden sie seither für Talks, Workshops und Prozessanalysen gebucht. Sie erstellten Zero-Waste-Leitfäden für Hochzeiten, Reisen und den Sport. Und bis heute coacht der Verein, dessen Leitung die Initiantin Bino vor gut einem Jahr abgegeben hat, Familien, die ein müllfreieres Leben führen wollen.
